Das erste Drittel der Schwangerschaft


Vom Embryo zum Fetus

Das erste Trimenon bezeichnet die ersten 12 Wochen der Schwangerschaft. Aus der Zygote, der befruchteten Eizelle, entsteht in dieser Zeit der Embryo. So wird das heranwachsende Kind in den ersten acht Wochen genannt, bevor es sich zum Fetus weiterentwickelt. Während dieser Zeit werden alle Organe und Körpersysteme angelegt. Sie ist deshalb die empfindlichste Periode der Schwangerschaft. Wir möchten hier nicht alle Einzelheiten der faszinierenden Embryonalentwicklung schildern, sondern greifen einige Schritte exemplarisch heraus.

Bis zum vierten Tag haben sich alle Zellen, aus denen einmal das Kind entstehen wird gleich verhalten. Nun beginnen sie sich zu differenzieren. Aus einem dicht zusammengepressten Haufen von Zellen wird eine einschichtige hohle Kugel, die mit Flüssigkeit gefüllt ist. Einige Zellen finden sich nun im Inneren auf einer Seite zusammen - aus ihnen wird das Kind entstehen.

Aus dem Aussenring der Zellen bilden sich die Membranen, die das Kind umhüllen und ernähren werden: die Blastocyste, aus der Placenta und  Eihäute entstehen werden.  Der innere Zellverband entwickelt sich zur Keimscheibe. Am fünften Tag bilden sich daraus drei Zellschichten, aus denen alle Körperorgane hervorgehen: Ektoderm, aus dem sich die Haut und das Nervensystem entwickeln, Mesoderm, das zu Muskeln, Herz und Geschlechtsorganen wird, und Endoderm, aus dem die inneren Bauchorgane entstehen.

Bisher haben sich die Zellen von gespeicherter Energie ernährt, doch nun muss die Blastocyste die Zellen mit Nahrung versorgen. Dafür nistet sie sich zwischen dem 7-13. Tag nach der Befruchtung in der Gebärmutterschleimhaut ein. Unterstützt wird sie dabei von Hormonen des Follikels im Eierstock.  Die Blastocyste entwickelt sich rasch zur Placenta, dem Austauschorgan zwischen Mutter und Kind. Hier werden Nährstoffe gegen Abfallprodukte und mütterliche gegen embryonale Hormone ausgetauscht.

Bereits zwischen dem 13. und 15. Lebenstag entwickeln sich die ersten Blutgefäße, in den nächsten Tagen bildet sich der erste Ansatz des zentralen Nervensystems. Damit bildet der Embryo ansatzweise einen Apparat, der die anderen Systeme lenkt. Zwischen dem 21. - 25. Tag gliedert sich die Herzanlage in vier Kammern und das Herz beginnt das Blut durch den Kreislauf zu pumpen. Das ist wichtig, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung für das sich entwickelnde Gehirn zu gewährleisten.

Am 28. Tag zeigen sich die Armknospen, die sich innerhalb von zwei Wochen zu den Anlagen für Ober- und Unterarm, den Hände und Fingern entwickeln. Die Armanlage wird sich in der 7. Woche an der Stelle des späteren Ellbogens nach innen beugen, wodurch die Hand in die Nähe des Mundes, unseres ersten Tastorganes rückt. Auch der Kopf kann zu diesem Zeitpunkt bereits ein wenig gedreht werden.

Nach 44 Tagen beginnen die Nieren des 13 mm großen Embryos mit der Produktion von Urin. Am 48. Tag bildet sich das Innenohr des Kindes aus, nun kann es Gleichgewicht und seine Lage im Mutterleib fühlen.

Bereits jetzt bilden sich die ersten Synapsen im Gehirn, wodurch  Informationen an das Gehirn weitergegeben werden können. Nach dem neuesten Wissensstand sind dies Wahrnehmungserfahrungen über seine Umwelt: Beispielsweise die Temperatur innerhalb der Gebärmutter, der süßliche Geschmack des Fruchtwassers oder seine Lage im Mutterleib.  
Nach acht Wochen  misst das Kind 2,5 cm von Kopf bis Gesäß mit einem Gewicht von 2,2 g. Bisher haben sich alle verschiedenen Gewebe und Organe differenziert. Nun müssen sie alle untereinander verbunden werden, damit sie interagieren können und eine funktionierende Einheit bilden: den Fötus.
Das Gehirn sendet Informationen an die Muskeln, die darauf reagieren: Das Kind beginnt sich zu bewegen, es kann eine Faust bilden, mit den Füßen treten, die Stirn runzeln, den Mund öffnen. Allerdings sind die Bewegungen noch unkontrolliert und es besteht keine Verbindung zwischen Reiz und Reaktion. Dies ändert sich jedoch rasch, denn in der 9. Woche beginnen sich Nervensystem und Muskeln zusammenzuschließen. Per Ultraschall lässt sich zeigen, dass der Fötus auf taktile Reize reagiert.

In der 10. Wochen beginnt die Bauchspeicheldrüse mit der Produktion von Insulin, die Leber gibt Galle ab.

Ab der 11. Woche ist die Haut empfindlich und die Reflexe funktionieren. Schon in der 12. Woche beginnt sich die Persönlichkeit zu entwickeln: verschiedene Föten zeigen unterschiedliche Gesichtsmimik.

Nach der zwölften Woche ist der Fetus bereits 9 cm lang und wiegt  ca. 30 g.


Der Körper der Schwangeren

Der Körper der Schwangeren verändert sich in dieser Zeit gravierend. Alles wird für die Bedürfnisse des Fetus und für die Geburt vorbereitet. Deshalb wachsen die Haare und Nägel schneller und Zahnfleischbluten entsteht. Die Bänder und die Muskulatur werden nachgiebiger, damit das heranwachsende Kind genügend Platz hat. Das Herz muss durch das erhöhte Blutvolumen verstärkt arbeiten. Um genügend Sauerstoff bereitzustellen nimmt das Atemvolumen zu. Da die Gebärmutter auf die Harnblase drückt ist häufig der Harndrang vermehrt. Die Hormone Oestrogen und Progesteron wirken auf die Geschlechtsorgane: Die Gebärmutter und die Brüste wachsen. Auch der Scheidenausfluß wird von diesen Hormonen reguliert und kann deshalb zunehmen. Stoffwechselveränderungen führen zur Gewichtszunahme und zur erhöhten Flüssigkeitseinlagerung.

Im ersten Schwangerschaftsdrittel produziert der Körper mehr Insulin. Dadurch kann es leichter zu einer Unterzuckerung kommen, deren Symptome Unruhe, Kreislaufprobleme, Heißhunger und Konzentrationsprobleme sein können.Daher sollte auf eine regelmäßige Kohlehydratzufuhr geachtet werden.


Die Schwangerschaftszeichen

Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen treten typischerweise im ersten Trimenon aufgrund der veränderten Stoffwechselverhältnisse auf. Etwa die Hälfte aller Schwangeren leiden in dieser Anpassungsphase darunter. Ebenfalls häufig sind Ekelgefühle gegenüber bestimmten Geschmacksrichtungen und Gerüchen. Das deutlichste Zeichen ist jedoch das Ausbleiben der Regelblutung. Progesteron unterbricht den Menstruationszyklus, damit die Gebärmutterschleimhaut wachsen kann. Hautveränderungen entstehen durch die erhöhte Ausschüttung von MSH, ein Hormon der Hirnanhangsdrüse, das die Hautpigmentierung beeinflußt. Bestehende Muttermale und Sommersprossen können dadurch dunkler werden.

 

 
Das zweite Drittel der Schwangerschaft


Der Fetus im zweiten Trimenon

Die zweite Entwicklungsphase des Fetus beginnt. Sie steht im Zeichen von Wahrnehmung und Bewegung und damit auch einer frühen seelischen Entwicklung. Der zweite Trimenon dauert von der 13. bis zum Ende der 28. Schwangerschaftswoche.

13. bis 14. Woche: Zu Beginn der 13. Woche sind bereits alle Organe ausgebildet und der Fetus weist nun deutlich die typisch menschlichen Gesichtsmerkmale auf. Von jetzt an müssen die Organe noch an Größe zunehmen und bis zur vollen Funktionsfähigkeit heranreifen. 15. bis 18. Woche: Es beginnen sich Finger- und Zehennägel auszubilden und die Verknöcherung des bisher knorpeligen Skeletts beginnt an den Gehörknöchelchen, so dass der Fetus nun auch hören kann. In der 17. Woche sind die Bewegungen  des Fetus schon so kräftig, dass  die Mutter sie bereits wahrnehmen kann.

19. bis 22. Woche: In der 20. Woche beginnt das Wachstum des Kopfhaars und in den Zahnleisten werden die Anlagen für die Milchzähne gelegt. Etwa in der 21. Woche verliert die Haut ihre Durchsichtigkeit. In den Lungenflügeln beginnt allmählich die Ausbildung der Lungenbläschen und Leber und Milz beginnen mit der Produktion von weißen Blutkörperchen. 23. bis 28. Woche: Der bisher noch sehr dünne Fetus beginnt Fett einzulagern und reagiert bereits deutlich auf Geräusche und Bewegungen von außen. In der 24. Woche beginnt der Fetus die Augen zu öffnen und es stellt sich von nun an ein Schlaf - Wach - Rhythmus ein.

Am Ende des zweiten Trimenons misst der Fetus durchschnittlich 27 Zentimeter und wiegt 800 Gramm.

In den letzten Wochen des zweiten Trimenons beginnen sich Emotionen beim Kind zu speichern. Nach dem jetzigen Wissensstand entscheidet sich in dieser Zeit, ob das Kind ein Optimist oder ein Pessimist wird und für die Pränatalpsychologen beginnt nun die pränatale Psychologie.

 

Die Schwangere im zweiten Trimenon

Das körperliche Wohlbefinden ist bei der Schwangeren im zweiten Trimenon wiederweitgehend hergestellt. Die Übelkeit und das Erbrechen des ersten Trimenons sind in der Regel verschwunden und die Schwangerschaftshormone versetzen die Schwangere in die Lage, große Energien zu mobilisieren. Der Fetus ist mittlerweile so groß, dass die Schwangerschaft nun auch äußerlich sichtbar wird. Da die Plazenta die Ernährung des Fetus übernimmt und diese die benötigten Nährstoffe dem Blut der Mutter entnimmt, muss das Gesamtblutvolumen des mütterlichen Kreislaufs in dieser Zeit weiter zunehmen. Das Dach der Gebärmutter wandert im zweiten Trimenon weiter in Richtung Bauchnabel und Rippenbogen. In der 20. Woche steht sie am Nabel, in der 28. Woche etwa 4 Querfinger oberhalb. Allerdings wölbt sich auch der Bauch darüber, da die Bauchorgane nach oben verschoben werden. Die Mutter beginnt nun, die Bewegungen des in ihr entstehenden Lebens wahrzunehmen, am Anfang ganz zart, wenn das Baby größer wird, spürt sie die Bewegungen zum Teil sehr deutlich. Ab der 16. Woche beginnen die Brustdrüsen mit der Sekretion einer farblosen Flüssigkeit, der Kolostralmilch.

Das mittlere Trimenon wird auch die Phase des Wohlbefindens genannt, da die Beschwerden der Anpassung an den neuen Zustand vorüber sind und das Kind noch relativ klein ist. Trotzdem kann es zu kleineren Beschwerden kommen. Rückenschmerzen können durch die Verlagerung des mütterlichen Schwerpunktes zustande kommen und werden durch die veränderte Beckenhaltung, die die Schwangere häufig einnimmt, um das Gewicht der wachsenden Gebärmutter auszugleichen, oft noch verstärkt. Aufgrund eines um bis zu 20 Prozent erhöhten Sauerstoffbedarfs und durch die Verdrängung der Bauchorgane nach oben kann es bei Belastungen zu Kurzatmigkeit kommen, die sich aber häufig nach der Gewöhnung an die höhere Atemfrequenz wieder legen. Krämpfe in den Beinen können auftreten, wenn die Gebärmutter auf die Beckengefäße drückt oder durch einen Mangel an Magnesium und anderen Mineralsalzen. Manchmal entstehen Krampfadern  oder schon bestehende können sich in ihrer Ausprägung verschlimmern.


Das letzte Drittel der Schwangerschaft


Im dritten Trimenon

Das dritte Trimenon reicht von der 29. bis zur 40. Woche, d.h. es endet mit der Geburt. Der Fetus misst während der 30. Woche etwa 30 cm und wiegt 1500 g. Die Proportionen der einzelnen Körperteile stimmen und die Lungen sind fast ausgebildet. Die Organe reifen in ihren Funktionen vollständig aus. Das Gehirn unterliegt weiter einem rasanten Wachstum, während der Körper nicht mehr ganz so schnell wächst. Der Fetus bewegt sich häufig und nimmt die typische zusammengerollte Stellung ein. Obwohl das Ungeborene in der 32. Schwangerschaftswoche schon voll ausgebildet ist, ist es noch sehr mager. Es nimmt die gesamte Gebärmutterhöhle ein. Die nächsten Wochen verbringt der Fetus mit der Einlagerung von Fett ins Unterhautfettgewebe. Durch diese Isolationsschicht liegt seine Körpertemperatur 0,5 - 1 C° über der der Mutter. Später wird ihm das eingelagerte Fett zur Wärmeregulation dienen. In den letzten Wochen erhält das Kind von der Mutter reichlich Immunstoffe in Form von Antikörpern um sein noch unreifes Immunsystem zu unterstützen.

Aufgrund der großen und sehr aktiven Leber sieht der Bauch eines Kindes kurz vor der Geburt sehr rund aus. Manchmal werden die Fingernägel so lang, dass sich Baby selbst kratzen kann. In den letzten vier Wochen der Schwangerschaft senkt sich der Kopf des Kindes in das kleine Becken. Die letzten Vorbereitungen für die Geburt beginnen.

Für die Geburt ist das Kind gut gerüstet: Seine Schädelknochen sind noch nicht miteinander verwachsen, wodurch es beim Durchtritt durch den Geburtskanal seinen Schädelumfang verringern kann. Auch die beiden Fontanellen helfen bei der reversiblen Verformbarkeit des Kopfes um der Mutter die Geburt zu erleichtern.


Die Kindslage

Unter Kindslage versteht man die Ausrichtung des Kindes in der Gebärmutter. Der Fetus nimmt die sog. Fetusstellung (angezogene Beine, verschränkte Arme und eingedrehter Kopf) ein. Bei der Geburt sollte das Kind eigentlich mit dem Kopf nach unten in der Gebärmutter liegen, in der Schädellage. Bei etwa zwei Prozent der Ungeborenen trifft dies nicht zu. So drehen sich manche Kinder überhaupt nicht und verbleiben in der Beckenendlage. Manchmal gelingt es von außen das Kind in die Schädellage zu drehen. Es gibt verschiedene Methoden ein Kind zum Drehen zu bringen, wie die Moxibustion oder Ostheopathie, oder eine sogenannte äußere Wendung. Gelingt diese äußere Wendung nicht, kann das Kind auch aus der Beckenendlage heraus normal geboren werden, sofern keine weiteren Risikofaktoren auftreten und die Geburtshelfer über ausreichend Erfahrung mit dieser besonderen Lage verfügen.

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Die Schwangere

Für die meisten Schwangerenist dieser Abschnitt der Schwangerschaft der beschwerlichste. Die Gewichtszunahme bis zur Geburt beträgt etwa 13  bis 20 kg und der Fetus drückt auf die anderen Organe. Sodbrennen oder Verstopfung treten in dieser letzten Phase der Schwangerschaft häufiger auf. Da das Zwerchfell in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist, kommt es zur Kurzatmigkeit. Auch die Wirbelsäule wird stärker belastet und durch das Schwangerschaftshormon Progesteron ist der Bandapparat weniger straff und dies kann zu Rückenschmerzen führen. Die meisten Frauen müssen nachts zur Toilette aufstehen, und die stärker werdenden Kindsbewegungen können zur Schlafunterbrechung beitragen. In der 32. Woche lässt sich die Gebärmutter etwa vier Querfinger unter dem Rippenbogen tasten, in der 36. Woche ragt sie an den Rippenbogen um sich danach etwas zu senken. Dadurch kann es zu vermehrten Wassereinlagerungen in die Beine und Füße kommen. Auch der Gang kann sich verändern: auf die Gewebeauflockerung und den Druck des Kindes auf das Becken reagiert der Körper mit einem wiegenden Gang und einer Weiterstellung der Füße. Dies ist eine normale Ausgleichsreaktion um mehr Platz für das Kind zu schaffen, auch wenn es in unserer Gesellschaft manchmal belächelt wird.

Die Schwangerschaftswehen werden in den letzten acht Wochen meist deutlicher: die Gebärmutter fördert dadurch die Durchblutung und trainiert für die Geburt. Etwa vier Wochen vor der Geburt senkt sich das Baby durch die Senkwehen ab und bringt seinen Kopf in eine günstige Position für die Geburt.

Manche Schwangere haben das Gefühl, dass sich das Baby am Ende weniger bewegt. Bei Einsetzen der richtigen Wehen löst sich der Schleimpfropf im Gebärmutterhals. 

 

Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft


Die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen sind sehr wichtig für die Gesundheit von Mutter und Kind. Um den Verlauf der Schwangerschaft zu verfolgen und zu überwachen wird in Deutschland von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe eine Reihe von routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen empfohlen. Diese können von einem Frauenarzt oder einer Hebamme durchgeführt werden, lediglich der Ultraschall ist eine rein ärztliche Tätigkeit. Stattdessen tastet die Hebamme den Bauch mit den Händen ab, so kann neben der Lage des Kindes auch seine Größe und die Fruchtwassermenge geschätzt werden. Zusätzlich misst die Hebamme  neben dem Bauchumfang den Abstand zwischen dem Schambein und dem höchsten Punkt des Kindes. Dies führt nach der Erfahrung von Hebammen, die in der ausserklinischen Geburtshilfe tätig sind, zu einer recht genauen Gewichtsbestimmung ab der 32. SSW. Das Abtasten des Bauches bietet einen weiteren Vorteil: Es kann gut eingeschätzt werden über welchen Muskeltonus die Gebärmutter verfügt und ob sie auf Berührung überempfindlich reagiert. So kann eine eventuelle Wehenbereitschaft festgestellt werden, auch lässt sich von außen gut tasten, wie hoch bzw. tief der kindliche Kopf sitzt. Diese Ergebnisse helfen bei der Einschätzung, ob ein Abtasten des Muttermundes notwendig ist.  Damit ist nicht gemeint, dass Ultraschalluntersuchungen überflüssig sind!

Bei einer unauffälligen Schwangerschaft erfolgen die Untersuchungen in den beiden ersten Dritteln  alle vier Wochen, im letzten Drittel alle zwei Wochen. Bei einer komplizierten Schwangerschaft wird der Turnus nach Bedarf angepasst. Neben den unten aufgeführten Untersuchungen sollte während jedem Vorsorgetermin Raum und Zeit gegeben werden, damit die Schwangere alle  ihre Fragen und eventuelle Sorgen äußern kann. Eine Übersicht über den Turnus und Inhalt der besonderen Untersuchungen finden Sie weiter unten.

Zu jeder Vorsorgeuntersuchung gehören folgende Untersuchungen:

  • Gewichtsfeststellung
  • Blutdruckmessung
  • Urinkontrolle auf Eiweiß, Blut, Zucker, weiße Blutkörperchen
  • Bestimmung des Hämoglobingehaltes im Blut
  • Kontrolle auf Wassereinlagerungen
  • Kontrolle der Beine auf Krampfadern
  • Feststellung des Höhenstandes der Gebärmutter
  • Abhören der kindlichen Herztöne
  • Feststellung der Lage des Kindes( ist erst ab der 30. SSW relevant)
  • Messung des Scheiden - ph
  • Ein Abtasten des Muttermundes sollte nur bei Indikation erfolgen


An mehreren Terminen werden spezielle Tests per Blutuntersuchung oder Abstrich durchgeführt:

Am Anfang der Schwangerschaft: Blutgruppenbestimmung mit Rhesusfaktor und Blutgruppenantikörpern, Rötelntiter, Luessuchreaktion( Test auf die Geschlechtskrankheit Syphilis), HIV - Test (mit ihrem Einverständnis!), Toxoplasmosetiter (ob Immunität vorliegt oder nicht). Untersuchung auf Chlamydien und ein Krebsabstrich.

Im Verlauf der Schwangerschaft wird der Antikörpertest wiederholt, der Toxoplasmosetiter nach Bedarf. Zwischen der 24. - 28. SSW sollte ein Screening auf Schwangerschaftsdiabetis erfolgen. In den letzten acht Wochen wird ein Test auf Hepatitis B durchgeführt, evtl. auch auf Hepatitis C. (falls die Geburtsklinik dies wünscht). Das kann z.B. der Fall sein, wenn eine Wassergeburt angestrebt wird).

Im Verlaufe der Schwangerschaft werden drei Routine - Ultraschall-untersuchungen empfohlen:

Zwischen der 9.- 12. SSW zur Feststellung, wo das Kind sitzt, Nachweis des Herzschlages und zur Bestätigung bzw. Neubestimmung des Entbindungstermines. Zwischen der 19.- 22. SSW erfolgt ein Organscreeining, und zwischen der 29. - 32. SSW erfolgt eine Größen- und Gewichtsbestimmung des Ungeborenen.

Zusätzliche Ultraschalluntersuchungen sind bei einem normalen Verlauf nicht medizinisch indiziert, können aber das Sicherheitsgefühl der Eltern fördern. Allerdings besteht auch die Gefahr von Fehlmessungen, die zu mehr Unruhe führen, da sie meist weitere Kontrolluntersuchungen nach sich ziehen. Bei auffälligen Ultraschallergebnissen sollte die Kontrolle möglichst bei einem Spezialisten erfolgen. Zusätzliche Ultraschalluntersuchungen sind immer angezeigt bei auffälligem Verlauf, Zwillingen, Schwangerschaftsdiabetis, bestimmten mütterlichen Erkrankungen. In diesen Fällen trägt die Krankenkasse die Kosten für die Untersuchung. In Deutschland werden seit Jahren deutlich mehr Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft als in anderen Ländern durchgeführt, obwohl kein medizinischer Vorteil davon bekannt ist.


Im letzten Drittel der Schwangerschaft wird häufig zusätzlich eine Aufzeichnung der kindlichen Herztöne und eventueller Gebärmutterkontraktionen durch den so genannten Wehenschreiber vorgenommen. Diese für Mutter und unbedenkliche Untersuchung scheinen  manche Babies nicht zu mögen: sie reagieren mit heftigem Strampeln darauf, was die Aufzeichnung unter Umständen schwierig macht. Außerdem ist anzumerken, dass bei unauffälliger Schwangerschaft derzeit kein Vorteil für Mutter und Kind durch diese Untersuchung belegt ist.

Wird der errechnete Termin überschritten, erfolgen die Untersuchungen alle zwei Tage. Hier sollte auf jeden Fall eine Messung der kindlichen Herztöne mit dem Wehenschreiber erfolgen. Manchmal wird zusätzlich eine spezielle Ultraschall - Doppler - Untersuchung vorgenommen.

Alle Untersuchungen müssen im Mutterpass genau dokumentiert werden. Dort stehen auch in Kurzform wichtige Daten über die medizinische „Vorgeschichte“ der Schwangeren. Der Mutterpass ist Eigentum der Schwangeren und sollte immer dabei sein. Er dient auch im Notfall zur schnellen Information des Personals.  Nachfolgend finden Sie einen Terminplaner für Ihre Schwangerschaft in dem alle notwendigen Untersuchungen übersichtlich präsentiert werden.

Wir empfehlen Ihnen sich rechtzeitig um eine Hebamme zu bemühen. Je nach Region, in der Sie leben, sind Hebammen über viele Monate ausgebucht. Die Hebamme kann Sie während der gesamten Schwangerschaft betreuen: Sie kann Vorsorgeuntersuchungen vornehmen, bei Schwangerschaftsbeschwerden helfen oder einfach beraten. So kann die Hebamme z.B. mit Akupunktur helfen bei Übelkeit, Sodbrennen, Schlafproblemen, Wassereinlagerungen oder Karpaltunnelsyndrom. Auf die Betreuung nach der Geburt gehen wir im Kapitel "Die ersten Wochen nach der Geburt" ausführlich ein.

 

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Weitere Informationen zu diesem Thema zur Ansicht oder Download:

Terminplaner - Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft

Video: BBC - Doku Das Wunderwerk Mensch - Die Geburt des Lebens Teil 1 Die weiteren Folgen erreichen Sie dann über unsere Videothek.