EHEC: Schwangere sollten vorerst auf rohes Obst und Gemüse verzichten / Update 30.05.11, 19.00 Uhr

Schwangere Frauen sollten aufgrund der gehäuften EHEC-Infektionen derzeit besser „auf frisches, nicht abgekochtes Obst und Gemüse vorübergehend verzichten“, warnte die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) gestern in einer Pressemitteilung. Denn EHEC-Infektionen in der Schwangerschaft sind nicht nur lebensbedrohlich für die Mütter, sondern erhöhen das Risiko von Fehl- und Frühgeburten.

Solange der Auslöser der „akuten EHEC-Erkrankungen“ nicht gefunden ist, „empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe Schwangeren besondere Vorsichtsmaßnahmen“, so die Mitteilung am Dienstag. Dabei sollten schwangere Frauen nicht nur besonders auf die Hygiene achten, sondern auf frisches Obst und ungekochtes Gemüse vorübergehend ganz verzichten, warnen die Experten der DGGG.

Risiko von Früh- und Fehlgeburten durch EHEC-Infektion
Nicht nur die werdenden Mütter sind durch die EHEC-Infektionen bedroht, auch die ungeborenen Kinder befinden sich bei der blutigen Durchfallerkrankung und eventuellem Nierenversagen in akuter Gefahr, betonte die DGGG. Laut Aussage der Experten steigt das Risiko von Früh- und Fehlgeburten erheblich. Daher sollten sich Schwangere auch im Interesse ihrer ungeborenen Kindern besonders vor den gefährlichen Darmbakterien in Acht nehmen Als Hygienemaßnahmen empfiehlt die DGGG gründliches „Reinigen der Hände, aller Flächen und des Küchenwerkzeugs nach der Zubereitung von rohem Fleisch“. Außerdem sollten „Stoffe (Handtücher), die mit rohem Fleisch in Kontakt gekommen“ sind als Kochwäsche bei mindestens 60 Grad gewaschen werden, rät die DGGG. Des weiteren sollten die Schwangeren laut Aussage der Experten beim Kochen berücksichtigen, dass die EHEC-Bakterien sicher absterben, wenn sie „länger als 10 Minuten über 70 Grad erhitzt“ werden. Die Lebensmittel sollten daher bei der Zubereitung „,ausreichend lange gekocht, gebraten, gegrillt oder gebacken“ werden.

EHEC-Risiko: Schwangere sollten bestimmte Nahrungsmittel meiden
Auf bestimmte Nahrungsmittel sollten Schwangere aufgrund des ungeklärten Risikos einer EHEC-Infektion vorübergehend gänzlich verzichten, mahnte die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Der Verzehr „von rohem Fleisch, Tartar, Mettwurst etc.“ sowie „von Rohmilch oder Rohkäse“ ist laut Aussage der Experten in der Schwangerschaft ohnehin zu vermeiden, so dass die werdenden Mütter keine Probleme haben dürften, diese Maßgaben auch im Sinne des EHEC-Schutzes einzuhalten. Hinzu kommt jedoch, dass die DGGG den schwangeren Frauen empfiehlt, vorübergehend auf den Verzehr von nicht abgekochtem Obst und Gemüse zu verzichten. Obst und Gemüse sollten jedoch im Sinne einer gesunden Ernährung insbesondere während der Schwangerschaft einen wesentlichen Bestandteil der täglichen Nahrungsaufnahme bilden. So stehen die Schwangeren derzeit vor einer schwierigen Entscheidung. In der Hoffnung, dass die Ursache der aktuellen EHEC-Infektionen bald gefunden ist, scheint der empfohlene vorübergehende Verzicht auf nicht abgekochtes Obst und Gemüse jedoch eine sinnvolle Maßnahme. Da die pflanzliche Lebensmittel mit den EHEC-Erregern kontaminiert sein könnte, sollte nicht nur beim Verzehr sondern generell beim Kontakt besondere Vorsicht gelten, mahnen die Experten der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Ergänzung 26.05.11, 13.00 Uhr: Gesundheitsexperten haben eine erste Infektionsquelle für den gefährlichen Durchfallerreger EHEC nachgewiesen. Am Hamburger Hygieneinstitut sei das Bakterium an vier Salatgurken gefunden worden, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) in der Hansestadt. Drei der Gurken stammten aus Spanien, von der vierten sei die Herkunft vorerst noch unklar. Alle entsprechenden Produkte würden aus dem Warensortiment genommen, sagte die Senatorin.

Update 30.05.11, 19.00 Uhr: Die Ausbreitung des lebensgefährlichen Darmkeims EHEC geht unvermindert weiter. Am Montag kamen deshalb Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) und Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zu einem Krisentreffen nach Berlin ins Robert-Koch-Institut (RKI), besprachen sich mit Vertretern von Ländern und Behörden.

Fazit des Treffens: Es gibt keine Entwarnung, der Killerkeim ist noch nicht gestoppt!

Daniel Bahr (FDP) sagte, bei den Infektionen sei weiter mit „steigenden Zahlen zu rechnen“. Die Infektionsquelle sei weiter „aktiv“. Den Bürger riet er deshalb weiterhin zu „größter Vorsicht“.

Bahr: „Die Einhaltung von Hygienevorschriften ist der beste Schutz.“

Inzwischen sei es zwar gelungen die Erreger-Quelle „näher einzugrenzen“. Allerdings: „Sie ist noch nicht abschließend identifiziert“, sagte Bahr.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte, die Krise habe inzwischen eine „europäische Dimension“ erreicht.