EHEC: Ursache durch rohe Sprossen gilt als gesichert

Die Warnung vor dem Verzehr von Tomaten, Gurken und Blattsalat wegen der EHEC-Darminfektionen ist aufgehoben. Das teilten Experten auf einer Pressekonferenz mit.

Das Robert-Koch-Institut (RKI), das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sowie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wollen jedoch weiterhin ihre Warnung vor dem Verzehr roher Sprossen aufrechterhalten.

„Es sind die Sprossen“, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, am Freitag in Berlin. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) betonte: „Gesundheit hat Priorität. Die Warnung war richtig.“

Hintergrund der veränderten Verzehrempfehlung der Behörden sind inzwischen verdichtete Hinweise, die einen Zusammenhang zwischen den EHEC-Infektionen und einem niedersächsischen Gartenbaubetrieb, der vor allem Sprossen produziert, immer wahrscheinlicher erscheinen lassen.

Auch wenn eine eindeutige Eintragsquelle des EHEC-Erregers O104 in die Lebensmittelkette bisher im Labor nicht nachgewiesen werden konnte, habe die Rückverfolgung von Warenströmen in vielen Krankheitsfällen zu dem Betrieb im Landkreis Uelzen geführt. Die Experten nehmen aufgrund der neuen Erkenntnisse an, dass die wahrscheinlichste Quelle der Bakterien-Verbreitung der Betrieb in Niedersachsen ist.

Auch aus Sicht von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) deutet vieles auf den Sprossenerzeuger im niedersächsischen Bienenbüttel hin.

Der Bio-Betrieb sei „die Spinne im Netz”, sagte Lindemann dem Nachrichtenmagazin „Focus”. Offenbar hätten mindestens 80 Opfer der Seuche in ganz Deutschland Sprossen zu sich genommen, die dort gezogen wurden.

Das Robert-Koch-Institut und das Bundesinstitut für Risikobewertung hatten die Verzehrhinweise für rohe Gurken, Tomaten und Salat am 25. Mai ausgesprochen. Grundlage dafür waren Erkenntnisse aus Patientenbefragungen.

Die EHEC-Epidemie in Deutschland hat sich zuletzt abgeschwächt. Auch wenn Mediziner weiter keine Entwarnung geben, nahm die Zahl der Neuerkrankungen in besonders betroffenen Ländern wie Niedersachsen und Hamburg ab.

Nach einer EHEC-Infektion starben inzwischen nach offiziellen Angaben 29 Menschen.