Kontakt zum Kind


 

Inhalt

1 Haptonomie

2 Das Gehör des Kindes


Die Wissenschaft belegt eindeutig, dass seelisches Leben und die damit verbundene Speicherung von Gefühlen bereits im Mutterleib beginnen.

Der Mutterleib ist die erste Welt des Menschen. Für den Fetus bedeutet die Gebärmutter die gesamte Welt, ein Miniaturuniversum. Es kommuniziert ständig mit der Mutter und fängt auch Signale von außerhalb der Gebärmutter auf.  Einerseits erreichen alle mütterlichen Hormone über den Mutterkuchen das Ungeborene (im Kapitel über Stress haben Sie bereits erfahren, wie sich die damit in Verbindung stehenden Hormone und Botenstoffe auf das Kind auswirken). Natürlich erhält das Baby auch hormonelle Information über alle schönen und angenehmen Gefühlszustände der Mutter. Das Kind seinerseits kommuniziert mit  der Mutter auf zwei Wegen: Zum einen sendet es über die Blutbahn Botenstoffe an die Mutter. Zum anderen kommuniziert es über sein Verhalten: Das Ungeborene verfügt schon in der fünften Woche der Schwangerschaft über ein erstaunlich komplexes Repertoire an Reflexbewegungen. So kann  es z.B. Druck von außen  ausweichen. Wenn bei einer Amniocentese die Nadel in die Gebärmutter eingeführt wird, weichen fast alle Babies der Nadel aus. Später drückt es seine Vorlieben und Abneigungen mit gezielten Püffen und Tritten aus. Nimmt z.B. die Schwangere eine Lage ein, in der das Baby gedrückt wird, so tritt und strampelt es so lange heftig, bis die Mutter die Lage wechselt. Auch wenn die Umgebung dem Ungeborenen zu laut ist, beginnt es sehr heftig zu strampeln, bis die Mutter eine ruhigere Umgebung aufsucht. Laute Rock- und Popkonzerte können auf Grund dieses Verhaltens meistens  nicht von Schwangeren aufgesucht werden. Manchen Babies ist sogar das Kino zu laut. Dies bedeutet aber nicht, dass ein sich häufig bewegendes Kind unglücklich oder unzufrieden ist.

Wie der Fetus seine erste Welt erlebt, ob als freundlich oder als feindlich, entscheidet maßgeblich darüber, welche Erwartungen das Kind zukünftig gegenüber seiner Umwelt hegen wird. Vermittelt die Mutter ihrem ungeborenen Kind Wohlgefühl und Sorglosigkeit, lernt das Ungeborene, dass die Welt draußen ein sicherer und behaglicher Ort ist.  Ist die Mutter dazu in der Lage ihrem Kind ein Gefühl von Liebe und Geborgenheit zu vermitteln, erwächst aus diesem Gefühl das für jeden Menschen so wesentliche Urvertrauen, die Gewissheit, in der Welt gut aufgehoben zu sein.

Erwachsene und auch in geringem Maß Kinder hatten Zeit genug, Abwehrmechanismen zu entwickeln, um die Wirkung einer Erfahrung abzumildern oder gar abzuwenden. Ein Ungeborenes hat diese Möglichkeit nicht. Das bedeutet, dass es von jeder Erfahrung direkt getroffen wird. Dies ist der Grund, warum sich die Emotionen der Mutter so tief in die Psyche des Ungeborenen eingraben und die so entstandenen Engramme das ganze Leben des Kindes tief beeinflussen.

Das bedeutet aber nicht, dass für eine gesunde seelische und emotionale Entwicklung des Kindes die Mutter nur positive Erfahrung und Ereignisse während der Schwangerschaft erleben darf. Vielmehr ist die Einstellung der Mutter zum Kind von grundlegender Bedeutung. Hier ist eine grundsätzliche Bejahung und Liebe zum Kind gemeint, nicht ein permanentes Schweben auf rosa Wolken. Die Darstellung in unseren Medien und vor allem in den meisten Ratgebern für werdende Eltern zeichnen das Bild einer permanent glücklichen Frau, die versonnen ihr „Babybäuchlein“ streichelt und jede Sekunde des Tages diesen neuen Zustand und alle damit verbundenen Veränderungen glücklich bejaht. Dass dies nicht der Realität entspricht, wurde in zahlreichen Studien belegt. Das ist auch nicht notwendig, denn was das Kind braucht ist das Gefühl der grundsätzlichen und bedingungslosen Liebe. Das Ungeborene kann sehr wohl fühlen, dass es geliebt wird, auch wenn die Mutter über typische Schangerschaftsbeschwerden genervt ist, z.B. weil sie nachts wegen der drückenden Blase wach wird.

Das Selbstbild des Menschen wird bereits im Mutterleib geprägt, wozu die Mutter einen entscheidenden Beitrag liefert. Das Selbstbild ist die Summe aller verbalen und nonverbalen Botschaften, die ein Mensch von Seiten anderer erhält.

Um ein gesundes Selbstbild und Vertrauen entwickeln zu können braucht das Kind also Erfahrungen der Liebe durch seine Umwelt.



Haptonomie


Alle oben geschilderten Mechanismen und Erkenntnisse haben  zur Entwicklung der so genannten haptonomischen Schwangerschaftbegleitung beigetragen. Der Begründer der Haptonomie,  Frans Feldmanns senior, hat eine Möglichkeit gezeigt, wie Eltern aktiv und bewusst ihrem Ungeborenen diese für seine seelische und emotionale Entwicklung so wichtigen Gefühle von bedingungsloser Liebe vermitteln können. Dabei bekommt auch der werdende Vater die Chance, lange vor der Geburt einen tiefen Kontakt zu seinem Kind aufzubauen. Das Kind kann auch für ihn im wahrsten Sinne des Wortes greifbar werden.

 

Aber was genau ist Haptonomie?


Wikipedia schreibt über Haptonomie: „Die Haptonomie (gr. „Lehre von der Berührung“) ist eine von alternativmedizinischen Ärzten, Hebammen und Heilpraktikern angebotene Methode zur Geburtshilfe und -begleitung, zur Psychotherapie und Krankenbehandlung (Haptosynesie) sowie zur Sterbebegleitung. Sie Haptonomie wurde in den 1940er Jahren von dem Niederländer Frans Veldman entwickelt und ist heute vorwiegend in Frankreich verbreitet. Bei der Schwangerschafts- und Geburtsbegleitung soll durch sanfte Berührungen eine Kontaktaufnahme mit dem Kind schon im Mutterbauch erreicht werden. Dabei werden die Eltern vom Therapeuten angeleitet. Konzeptuell wird die moderne apparategestützte Geburtshilfe als unpersönlich kritisiert. Haptonomie fördert stattdessen die Entwicklung der Bindung zwischen dem Kind und den Eltern, insbesondere auch zwischen Vater und Kind. Gleichzeitig ermögliche sie einen harmonischen und schmerzfreien Ablauf der Geburt.

Die Haptonomie ist kein Bestandteil der hochschulmedizinischen Versorgung. Veldman selbst hat kaum wissenschaftliche Publikationen, jedoch mehrere Bücher verfasst und in verschiedenen Ländern Vortragsreisen durchgeführt. Das von ihm gegründete private C.I.R.D.H. (Internationales Zentrum zu Forschung und Entwicklung der Haptonomie) im südfranzösischen Oms bietet entsprechende Kurse an und erhebt den Anspruch, dass nur Personen zur haptonomischen Behandlung befugt seien, die dort ausgebildet wurden.“ Soweit Wikipedia.


Der Sohn von Frans Veldman, Frans Veldman Junior, wurde von ihm selbst ausgebildet und autorisiert das gemeinsam gegründete wissenschaftliche Institut für Haptonomie in Holland zu leiten und dort auch auszubilden. Leider kam es vor einigen Jahren zum Bruch zwischen Vater und Sohn. Als Folge dessen erkennt Veldman Senior die Tätigkeit seines Sohnes und der von ihm ausgebildeten Therapeuten nicht mehr an und erhebt seitdem den von Wikipedia genannten Anspruch.

Das schreibt Veldman  Senior auf seine Webseite über die Haptonomie: „Die Haptonomie zählt zu den Humanwissenschaften. Sie beschäftigt sich mit den Grundlagen menschlicher Existenz, mit dem Sein selbst, von dem aus sich jedes menschliche Wesen entfaltet und entwickelt, um seinen individuellen Lebensweg zu gestalten.

Als " Wissenschaft der Affektivität " ist sie insofern eine Wissenschaft, da sie typisch menschliche Phänomene auslöst, die wiederholbar und wissenschaftlich nachprüfbar sind.

"Hapto" ist eine griechische Wurzel. Sie bedeutet : Ich trete in taktilen Kontakt, ich verbinde, ich wende mich jemandem zu. Ich stelle (taktil) eine Verbindung, einen Kontakt her, um Genesung zu bewirken, zu heilen, Ganzheit zu vermitteln, und um den Menschen in seiner Existenz zu bestätigen.

Die Haptonomie erschließt eine Seinsweise, welche an die spezifisch affektiven Fähigkeiten des Menschen appelliert. Das sind jene Fähigkeiten, die Inhalt und Qualität der menschlichen Beziehungen ausmachen und die die Natur der Menschen sowie das Wesen ihrer Begegnungen prägen. Die haptonomische Begleitung ermöglicht es dem Menschen, seine affektiven Fähigkeiten zu erspüren. So können sie sich entfalten und reifen. Die Haptonomie entfacht ein Gefühl der Sicherheit und ruft dadurch Lebenslust (Libido Vitalis) wach.

Der psychotaktile Kontakt, spezifischer Ausdruck der haptonomischen Phänomenalität, ist nicht lediglich ein „Berühren“! Er appelliert an den "ganzheitlichen Lebensentwurf" (vitale Intentionalität). Ist der Mensch existentiell bestätigt, oder deutlicher gesagt, bestärkt in seiner Affektivität, sucht er die ihm eigenen Möglichkeiten, Begabungen und Fähigkeiten in seinen mitmenschlichen Beziehungen zu verwirklichen.

Die haptonomische prä- und postnatale Begleitung fördert die Entwicklung gefühlsmäßiger Bindungen zwischen dem Kind, dem Vater und der Mutter. Sie läßt sie eine liebevolle, innige Beziehung erleben, während das Kind noch im mütterlichen Schoß ist.

Sie fördert sowohl das Willkommenheißen des Neugeborenen im Moment der Geburt, als auch seine Bestärkung in Geborgenheit in der Zeit danach. Das Kind erlangt sehr bald eine Basis - Sicherheit, die ihm den Weg zu Autonomie, zwischenmenschlicher Beziehung und Vertrauen öffnet.

Die Natur der gefühlsmäßigen Beziehung, die sich während dieser Begleitung zwischen dem Vater, der Mutter und dem Kind entwickelt, fördert die Entfaltung elterlicher Gefühle, der gefühlsbezogenen Verantwortung der Eltern gegenüber der Seinsweise ihres Kindes. Sie entdecken, dass sie es in seiner körperlichen, psychischen und gefühlsmäßigen Entwicklung unterstützen können, ihm aber gleichzeitig seinen ihm eigenen Platz zugestehen; bereits vor der Geburt eröffnen sie ihm die Möglichkeit, die Initiative in der Beziehung zu ergreifen. Auf diese Weise bildet sich schon hier die Grundlage einer erzieherischen Bindung, die auf die Autonomie des Kindes ausgerichtet ist.

Die pränatale Begleitung lediglich als eine Methode der Geburtsvorbereitung zu sehen, wäre eine bedauerliche Reduzierung. Sie ist nicht mit einer Technik vergleichbar, mit "Methoden". Sie ist Vorbereitung zum Empfang des Kindes. Das Kind wird begleitet, geleitet und unterstützt durch seinen Vater und seine Mutter während seines gesamten Lebens im Schoße und während der Geburt. Bei jeder Begegnung mit dem Begleiter entdecken die Eltern, wie sie mit dem Kind kommunizieren können, indem sie den bestätigenden psychotaktilen Kontakt verwirklichen, voller Zärtlichkeit und Liebe. Diese Art der Kommunikation erfordert eine gefühlsmäßige Beteiligung beider Eltern; zu Hause können sie dann diese Kommunikationserfahrung wiederholen und weiterentwickeln.

Die Begleitung erfolgt schrittweise und ist den Entwicklungsphasen der Schwangerschaft angepaßt. Auf diese Weise wird eine gefühlsmäßige Beziehung geschaffen, die dem Kind frühzeitig, bereits lange vor der Geburt, ein Gefühl von Einzigartigkeit und grundlegender Sicherheit vermittelt, aus dem heraus sich sein Selbst entwickeln kann. Obwohl sie bei weitem nicht allein Geburtsvorbereitung ist, begünstigt die Begleitung eine natürliche Geburt und unterstützt die Entbindung. Um es noch einmal zu betonen, die Haptonomie sieht jede Person in ihrer Ganzheit.

Das affektive Leben - Gefühle und Empfindungen - offenbaren sich in der beseelten Leiblichkeit. Insbesondere das Gefühl des Wohlbefindens, der wesensmäßigen Ganzheitlichkeit, wird auf der körperlichen Ebene von einem sehr speziellen Muskeltonus begleitet - geschmeidig und weich - und einer Nachgiebigkeit der Sehnen, die der Geburt förderlich ist.

Es ist wichtig besonders hervorzuheben, dass die Begleitung der affektiven Beziehung zwischen dem Kind und seinen Eltern nicht mit der Geburt unterbrochen wird. Eine Unterbrechung der gefühlsmäßigen Beziehung, wie sie das Kind im Mutterschoß erlebt hat, hätte eine für ihn schädliche Frustration zur Folge.

Durch die Unterstützung der Basis - dem Geborgenheit vermittelnden Tragen - wird sich das Kind seiner Leiblichkeit bewußt und entwickelt einen Zustand der Basis-Sicherheit in dieser seiner neuen Welt.


1. Der Platz des Vaters :

Die Anwesenheit des Vaters während der prä- und postnatalen Begleitung ist wesentlich, und zwar in dreierlei Hinsicht :

  • Sie erlaubt es dem Vater, ohne Verzögerung seinen Platz einzunehmen in der affektiven Dreiecks - Beziehung Vater - Mutter - Kind. Alle drei fühlen sich dabei gleichermaßen beschenkt.
  • Der Vater ist es, der der Mutter gefühlsmäßige Heimat bietet, er unterstützt sie und ist bei ihr im Laufe der ganzen Schwangerschaft und während der Geburt.
  • Im Moment der Geburt spielt er eine tragende Rolle in der Begegnung des Kindes mit der äußeren Welt.

Wenn der Vater trotz zeitlicher Verfügbarkeit eine haptonomische Begleitung nicht wünscht, sollte man auf sie verzichten. Man sollte beachten, daß eine Begleitung ohne seine Zustimmung verhängnisvolle Auswirkungen nach sich ziehen kann. Anders ist es, wenn es dem Vater absolut unmöglich ist, an der Begleitung teilzunehmen. Dann kann und sollte er durch eine der Mutter nahestehenden Person ersetzt werden.


2. Die Intimität :

Die prä- und postnatale haptonomische Begleitung findet niemals in Gruppen statt. Man bedenke, dass Schwangerschaft und Geburt von erheblicher Bedeutung für das Leben eines Kindes und seiner Eltern sind. Der Raum, den die Affektivität bei diesen Ereignissen einnimmt, verlangt Respekt vor dem Privatleben und der Intimität. Die Begleitung braucht den Rahmen persönlicher Begegnung zwischen dem Begleiter und den Begleiteten. Die Begleitung des Gefühlslebens bedarf einer respektvollen, umsichtigen Haltung von Seiten des Begleiters.

Lediglich eine Einführung, was affektiv - bestärkende haptonomische Begegnung und prä- und postnatale Begleitung bedeutet, kann evtl. gemeinsam für mehrere Mütter und Väter, die ein Kind erwarten, durchgeführt werden. Eine Begleitung in Gruppen stünde im völligen Widerspruch mit den fundamentalen Prinzipien der Haptonomie.


3. Der Zeitplan der Zusammenkünfte :

Es ist wünschenswert, dass sich die Eltern sehr bald nach der Empfängnis - in zwei bis drei Zusammenkünften - mit der haptonomischen Phänomenalität vertraut machen und ihre eigenen Fähigkeiten entdecken. Die eigentliche haptonomische pränatale Begleitung beginnt etwa mit Beginn des vierten Monats und keinesfalls später als vor Ende des sechsten Monats. Es sollten mindesten acht Zusammenkünfte bis zur Geburt erfolgen. Diese Begleitung ist fortschreitend und den Entwicklungsphasen der Schwangerschaft angepasst. Würde sie erst nach dem sechsten Monat begonnen, würde sie ihren wesentlichen Inhalt verlieren und könnte nicht in angemessener, harmonischer Weise durchgeführt werden.“


So erklärt Veldman Junior die Haptonomie: „Die Haptonomie untersucht die Regeln und Gesetzmäßigkeiten, die dem menschlichen Gefühlsleben zugrunde liegen. Sie wird deshalb auch als “Wissenschaft vom menschlichen Gefühlsleben” oder als “ Wissenschaft von der Affektivität” bezeichnet. Der Begriff Haptonomie setzt sich zusammen aus den griechischen Begriffen “hapsis”, was den Tastsinn, das den Tastsinn, das Gefühl, das Gefühlsleben und das Taktgefühl bezeichnet und “nomos”, was Gesetz, Regel und Norm bedeutet. “Hapto” im Wort Haptonomie stammt von dem Verb “haptein” und bedeutet “ich berühre”, ich vereinige, ich stelle eine Verbindung her, und im übertragenen Sinne, ich nehme mit jemanden (durch Berührung) Kontakt auf, um gesund zu machen, zu heilen, zu bestärken.

Dieser spezifische Kontakt charakterisiert die haptonomische Annäherung: Es ist eine heilende (heil bzw. ganz machende, den ganzen Menschen umfassende) Berührung, die den anderen in seinem Wesen bestärkt. In der haptonomischen Arbeit konzentrieren sich die Beobachtungen insbesondere auf die Rolle, die die (oft unbewußte) gefühlsmäßige Beteiligung bei allen zwischenmenschlichen Kontakten spielt. Die Haptonomie beschreibt die beobachteten Phänomenen, die alle reproduzierbar und überprüfbar sind, und macht sie im Rahmen der Ausbildung und Selbsterfahrung spürbar und erlebbar. Nur durch die persönliche Erfahrung können die in der praktischen Anwendung der Haptonomie so wesentlichen spezifischen Phänomenen des taktilen Kontaktes und insbesondere des psychotaktilen Kontaktes verstanden werden.

In der praktischen Anwendung ist die Haptonomie keine Heilmethode oder Therapie, sondern eine Annäherungsweise, die in alle heilende und pflegende Berufe integriert werden kann. Die Entwicklung der haptonomischen Fähigkeiten und die Integration der haptonomischen Annäherungsweise ermöglicht es dem Arzt, dem Psychotherapeuten, der Krankenschwester etc., die vom Patienten/Klienten angebotene Problematik in ihrer möglichen Ursache und Entwicklung aus haptonomischer Sicht zu verstehen und den Menschen spüren zu lassen, welche persönlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten er hat, um selber etwas zu ändern.
 
Der Mensch nimmt am Leben der Gemeinschaft teil durch eine Vielzahl zwischenmenschlicher Kontakte und lnteraktionen, bei denen er ständig mehr oder weniger bewußt gezwungen ist, persönlich Stellung zu nehmen, eine Wahl zu treffen oder Entscheidungen zu fällen. Geprägt durch die Erziehung und durch unsere Gesellschaft neigen viele Menschen dazu, sich so zu verhalten, "wie es sich gehört", wie es die Umgebung von ihnen erwartet oder wie die Eitern es von ihnen wünschen. Viele Menschen haben so den Kontakt zu ihren eigenen Gefühlen und zu dem , was sie tief in sich fühlen und erleben, verloren. Sie haben kein Vertrauen zu sich selbst und zu ihrem inneren Wissen darüber, was gut für sie ist. Das passiert oft ganz unbewußt und der Mensch merkt gar nicht, dass er sich gegen seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse entscheidet und ist der Überzeugung, dass es so richtig ist. Eine solche Entfremdung von sich selbst kann ein wesentlicher Grund sein für Störungen des persönlichen Wohlbefindens, für depressive Verstimmungen und schwere Lebenskrisen.
 
Die haptonomische Begleitung will den Menschen wieder in Kontakt bringen mit seinen Gefühlen und seinem tieferen Wissen. Sie will ihn entdecken lassen, wie er selber Entscheidungen treffen kann, wie er in seinem Leben eine Wahl treffen kann und seinem Leben eine Richtung geben kann und wie er Verantwortung für sein Handeln und sein Leben übernehmen kann. Der Appell an die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, aktiv am Leben teilzunehmen und aktiv nach Lösungen für die eigenen Probleme zu suche, ist ein wesentlicher Bestandteil jeder haptonomischen Begleitung.“


Das klingt alles sehr theoretisch. In der Tat ist Haptonomie sehr schwer zu erklären!

Hier ein dritter Erklärungsversuch:

Der Weg, den Feldmanns wählte, um mit dem Ungeborenen Kontakt aufzunehmen ist die achtsame Berührung. Die werdenden Eltern legen dabei die Hände auf den Bauch der Schwangeren. Grundlage dafür ist das Wissen, dass wir über eine liebevolle und achtsame Berührung eine Form des zugleich körperlichen und emotional bestätigenden Kontaktes aufnehmen können.  Dabei ist es fundamental zwischen Perzeption und Apperzeption zu unterscheiden. Mit Perzeption bezeichnen wir eine aktive, an der Oberfläche bleibende Wahrnehmung. Hier werden mit Hilfe der Fingerspitzennerven vorwiegend Einzelinformationen gesammelt um sich ein Gesamtbild zu schaffen. Dies ist typisch für eine körperliche Untersuchung  z.B. durch einen Arzt oder Physiotherapeuten. Es geht hier um eine rein körperliche Diagnose ohne Einbeziehung des gesamten Menschen, der Untersuchende nimmt zu seinem Gegenüber eine neutrale Position ein. Bei der Apperzeption gehen wir über das Tasten mit den  Fingerspitzen hinaus und  berühren unser Gegenüber. Bei dieser Form der Berührung wird eine  Beziehung geschaffen,  der Berührende ist nicht nur mit seiner Wahrnehmung offen, sondern bietet sich dem anderen im Kontakt an. Dadurch ist der berührte Mensch mehr als ein zu untersuchender Körper, sondern wird in seiner Gesamtheit als fühlendes Wesen anerkannt. Der Berührte fühlt sich auf einer unbewussten Ebene sofort wohler, sogar unser Körper reagiert mit  Entspannung. Auf diesem Weg wird es möglich mehr zu erfahren über den Anderen als bei der Perzeption.

Interessant ist auch unser Sprachgebrauch: Das Wort berühren hat in der deutschen Sprache neben der körperlichen Bedeutung auch einen deutlichen emotionalen Aspekt. Wir können z.B. von einer Feder berührt werden, aber auf eine ganz andere Art und Weise berührt uns das Happy End eines Liebesfilms.

Im Laufe einer haptonomischen Schwangerschaftsbegleitung erlernen die Eltern nicht nur einen tieferen und bewusster gestalteten Kontakt zum Kind. Sie gewinnen durch den Kontakt zum Kind auch mehr Vertrauen in die Fähigkeit der Frau das Ungeborene im Bauch sicher und geborgen heranwachsen zu lassen. Dieser Aspekt ist nach Frans Feldmann in unserer Zeit einer einseitig medizinisch orientierten Schwangerenvorsorge sehr wichtig: Hier wird häufig der Eindruck vermittelt, dass eine Schwangerschaft nur durch  Untersuchungen mit Hilfe von Geräten wie dem Ultraschall oder dem Labor sicher und glatt verlaufen kann.  

Außerdem bietet die haptonomische Schwangerschaftbegleitung die Möglichkeit, sich ganz besonders auf die Geburt vorzubereiten: Die Schwangere wird sensibilisiert für die Vorgänge in ihrem Körper. Ihre Wahrnehmung wie sie das Kind im Bauch trägt, wie sie ihm Raum geben kann, beeinflusst das Erleben der Wehen. Zusätzlich lernen die Eltern, wie sie das Kind durch die Geburt begleiten können, wie sie seine Lage und seine bei der Geburt notwendigen Drehbewegungen unterstützen können. Kinder sind normalerweise während der Geburt nicht passiv, sondern versuchen auch aktiv den Weg hinaus zu finden. Erfahrungen mit haptonomisch begleiteten Geburten zeigen, dass Kinder, die während der Geburt im Kontakt mit den Eltern sind, wesentlich aktiver die Geburt unterstützen und leichter geboren werden.



Das Gehöhr des Kindes


Ab der Mitte des vierten Monats ist das Ohr des Ungeborenen als erstes Sinnesorgan bereits voll ausgebildet. Die Erlebniswelt des Ungeborenen ist somit sehr stark durch das Hören geprägt. Und sicherlich ist auch Ihnen schon aufgefallen, dass Ihr Kind bestimmte Musikstücke mag und manche nicht, dass es entweder mit "Protest" oder mit Freude und Harmonie reagiert.

In den letzten Jahren wurde die Reaktionen des Kindes auf Klänge und Musik systematisch erforscht. Dabei konnte festgestellt werden, dass Klänge alà Mozart allgemein harmonisierend und beruhigend wirkten, während ein lautes Rockstück Ungeborene zu heftigen Fußtritten veranlassen konnte. Die Musikindustrie hat sich dieses Wissen zu nutzen gemacht und hat bereits etliche CD - Veröffentlichungen mit Schwangerschaftsmusik  auf den Markt gebracht die extra für diesen Zweck komponiert wurde.

Aber Musik soll nicht nur zum Wohlfühlen beitragen. Manche Forscher gehen sogar soweit zu behaupten, dass Musik die Entwicklung des Fötus fördere, ja dass sogar die Intelligenz des Kindes gesteigert werden könne. Doch tun Sie sich bitte keinen Zwang an im Glauben, Ihrem Kind etwas Gutes zu tun! Wenn Sie kein Fan klassischer Musik sind, hören Sie bitte weiterhin die Musik, die Ihnen Freude macht. Denn wenn es Ihnen gut geht, geht es auch Ihrem Kind gut!

Aber nicht nur Musik wird vom Ungeborenen wahrgenommen. Der Fötus wird umspült von einem Reich aus Klängen: Der Herzschlag und die Stimme der Mutter, das Gluckern der Eingeweide und das Zischen des Blutstromes dringt deutlich an das Ohr des Kindes, ähnlich dem Sound in einem Tauchbecken. Wenn die Mutter beruhigend mit ihrem Kind spricht kommt es übrigens nicht darauf an, was sie sagt. Allein der Tonfall ist entscheidend, genauso wie die Stimme der Mutter ein Leben lang prägend im Gedächtnis des Kindes bleiben wird.

Das gut entwickelte Gehör des Kindes birgt aber auch Gefahren: Das Kind nimmt an der Aussenwelt allein durch sein Gehör teil. Lärm, Streit oder Dauerberieselung durch Radio oder Fernsehen können zum Stressor werden, denn das Kind kann ja nicht einfach "die Ohren schließen"! Nehmen Sie sich selbst also auch einmal eine Auszeit vom Lärm des Alltags und ziehen Sie sich in die Stille zurück.

 

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