Vater werden – Umbruchphase im Leben eines Mannes


 

Inhalt

1 Väter im Blickpunkt der Forschung

2 Unterstützung der werdenden Mutter

Die Gründung der eigenen Familie ist ein Ereignis, dessen Bedeutung und Reichweite häufig unterschätzt wird. Die kommende Elternschaft wird im Allgemeinen als „freudiges Ereignis“ angesehen und mit positiven Aspekten wie persönliche Erfüllung und Weiterentwicklung, Spaß und Freude, sowie Bereicherung der Partnerschaft verknüpft. Schwierigkeiten werden meist nur dann erwartet, wenn zusätzliche Belastungen hinzukommen oder die Ausgangsbedingungen besonders ungünstig sind: Wenn beispielsweise die Schwangerschaft unerwünscht ist oder sehr ungelegen kommt, wenn die künftigen Eltern sehr jung sind, eine Behinderung des Kindes droht oder auch wenn die finanzielle Situation der jungen Familie angespannt ist.

Gerade die werdenden Väter sind sich oftmals nicht bewusst, wie umfassend die Geburt ihres ersten Kindes auch „im Normalfall“ ihr Leben verändern wird. Dies ist auch nicht weiter verwunderlich. Während für werdende Mütter eine Vielfalt von vorbereitenden Angeboten existiert und die Auseinandersetzung mit der Schwangerschaft und kommenden Mutterschaft gesellschaftlich anerkannt und durch das soziale Umfeld gefördert wird, gilt dies nicht für werdende Väter. Angebote für diese Zielgruppe sind Mangelware. Werdenden Vätern wird so signalisiert, dass sie von diesem Ereignis kaum direkt betroffen sind und es für sie eigentlich nichts gibt, worauf sie sich vorbereiten müssten.



Väter im Blickpunkt der Forschung


Wie sieht es nun tatsächlich aus? Welche Veränderungen bringt die Familiengründung für Männer mit sich? Was sind ihre Sorgen und Ängste? Welche Erfahrungen machen sie? Und welche Veränderung nehmen sie in ihrer Partnerschaft wahr?

Diesen Fragen wird im Folgenden auf der Basis einer Reihe von psychologischen und soziologischen Studien nachgegangen. Zwar werden die Auswirkungen der Familiengründung auf junge Eltern und deren Partnerschaft bereits seit den 1960er Jahren von der Forschung in den Blick genommen. Jedoch wurde anfänglich auch in der Wissenschaft vor allem das Erleben und die Erfahrungen der Mütter fokussiert. Erst in den vergangenen zehn Jahren ist in Deutschland auch die Sicht der Väter verstärkt ins Blickfeld gerückt. Eine aktuelle familienpsychologische Studie, die die Perspektive von Müttern und Vätern einbezieht, ist die LBS - Familien-Studie „Übergang zur Elternschaft“ (siehe Kasten). Die Ergebnisse dieser Studie bilden den Schwerpunkt der Darstellung. Dabei werden nicht nur die Erfahrungen der Väter dargestellt, sondern an vielen Stellen auch die der Mütter einbezogen, da sich im Vergleich der Perspektiven beider Geschlechter Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung, im Erleben und Verhalten klarer herausstellen lassen.

In der LBS-Familien-Studie „Übergang zur Elternschaft“ (Fthenakis, Kalicki & Peitz, 2002) wurden, beginnend im letzten Drittel der Schwangerschaft, insgesamt 175 Paare, die zu Beginn der Studie ein gemeinsames Kind erwarteten (bei der Hälfte der Paare handelte es sich um das erste Kind), mit Hilfe von Fragebögen wiederholt zu zentralen Themen des individuellen Erlebens sowie der Partnerschafts- und Familienentwicklung befragt. Der gesamte Erhebungszeitraum umfasst nahezu neun Jahre. Erfragt wurden – neben demografischen Angaben und Daten zur äußeren Lebenssituation der Familie – Einschätzungen zu Schwangerschaft und Entbindung, die Erfahrungen in der Elternrolle, Aspekte der Paarbeziehung, Persönlichkeitsmerkmale und Befinden der Befragungsteilnehmer, aber auch Informationen zur Entwicklung des Kindes. Neben dem beachtlichen Zeitintervall und dem breit angelegten Themenkatalog der Befragungen ist diese Studie durch den Einbezug beider Partner gekennzeichnet. Die vorliegenden Daten ermöglichen daher Aussagen über die Situation und die Perspektiven der Väter, sowie über die Frage, unter welchen Bedingungen die Anpassung an die Vaterrolle gelingt.

 

Das Erleben von Schwangerschaft und Entbindung

Vaterschaft beginnt nicht erst mit der Geburt des Kindes. Die Auseinandersetzung mit der künftigen Vaterrolle setzt bereits lange zuvor ein: Mit Überlegungen, ob man überhaupt Kinder haben will und ob man sie mit der gegenwärtigen Partnerin haben will, wann es soweit sein soll und was für eine Art von Vater man sein will. Ist dann die Schwangerschaft eingetreten, intensiviert sich die Auseinandersetzung und geht häufig mit intensiven Gefühlen einher: Mit Freude, Stolz und Glücksgefühlen, aber auch mit Zweifeln, Ängsten und Gefühlen der Überforderung.


Gefühle der Väter mit Blick auf die Schwangerschaft der Partnerin

In der LBS - Familien - Studie wurden die werdenden Väter (und auch die werdenden Mütter) im letzten Schwangerschaftsdrittel nach ihren Gefühlen mit Blick auf die Schwangerschaft und die bevorstehende Elternschaft befragt. Sie sollten das Ausmaß ihrer Freude über die Schwangerschaft und den Stolz auf die Schwangerschaft einschätzen, aber auch die Bedrohlichkeit dieses Ereignisses und ihren Ärger über die Schwangerschaft. Dabei sollten sie zum einen eine Einschätzung ihrer aktuellen Haltung („Wie sehr freuen Sie sich heute über die Schwangerschaft?“ „Wie bedrohlich ist es für Sie heute?“ etc.) vornehmen. Zum anderen sollten sie – im Rückblick – ihre emotionale Reaktion auf die Nachricht von der Schwangerschaft („Wie sehr haben Sie sich über die Schwangerschaft gefreut, als Sie davon erfuhren?“ „Wie bedrohlich war es für Sie seinerzeit?“ etc.) einschätzen.

Die folgende Abbildung  beinhaltet die Einschätzungen für die vier Emotionen „Freude“, „Stolz“, „Ärger“ und „Bedrohlichkeit“. Dabei handelt es sich (wie auch bei den folgenden Darstellungen) um Durchschnittswerte aus den Einschätzungen aller Teilnehmer. Diese Durchschnittswerte kennzeichnen somit einen allgemeinen Trend, wobei die individuellen Einschätzungen nach oben und unten variieren. Emotionale Bewertung der Schwangerschaft zu Beginn (rückblickende Einschätzung) und die momentane Einschätzung gegen Ende der Schwangerschaft bei Frauen und Männern (Antwortskala jeweils von 0/„überhaupt nicht“ bis 8/„äußerst“) - Ergebnisse der LBS - Familienstudie.



Die  Abbildung zeigt deutlich, dass das Erleben der werdenden Väter stark durch die positiven Emotionen Freude und Stolz geprägt wird. Negative Emotionen, wie Bedrohungsgefühle oder Ärger werden demgegenüber sehr selten genannt. Die positiven Emotionen Freude und Stolz nehmen während der Schwangerschaft weiter zu, negative Gefühle der Bedrohlichkeit und des Ärgers über die nahende Elternschaft nehmen hingegen ab.

Der Vergleich der Angaben der werdenden Väter mit denen der werdenden Mütter zeigt, dass das Erleben der werdenden Väter in dieser Hinsicht kaum von dem der werdenden Mütter abweicht; nur die Zunahme der positiven Emotionen fällt bei den Frauen etwas stärker aus als bei den Männern.

 

Ängste und Befürchtungen der Männer mit Blick auf die Entbindung

Mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft und dem Näherrücken des Geburtstermins intensiviert sich zwar einerseits Freude und Stolz, werden andererseits häufig aber auch Ängste und Befürchtungen vor der Entbindungssituation wach. In der LBS - Familienstudie wurden die werdenden Väter zwei bis drei Monate vor der Entbindung zu ihren Ängsten befragt. Thematisiert wurden hierbei drei Facetten: die Angst um die Gesundheit von Frau und Kind; die Angst vor Kontrollverlust und die Angst, die Situation selbst nicht durchstehen zu können. Die Männer sollten jeweils angeben, wie sehr sie vor den einzelnen Situationen Angst haben (Antwortmöglichkeiten: „gar nicht“, „etwas“, „stark“, „sehr stark“).

Die nachfolgende Tabelle  gibt anhand von Beispiel - Items einen Eindruck von den Ängsten der werdenden Väter. Weit verbreitet sind Ängste vor gesundheitlichen Schädigungen von Frau und Kind: so äußern 38 Prozent der Männer, dass sie „starke“ oder „sehr starke" Angst vor Missbildungen des Kindes haben und 32 Prozent, dass sie Angst vor Schädigungen des Kindes durch die Entbindung haben. Auch Ängste vor Kontrollverlust und der eigenen Hilflosigkeit werden häufig genannt: Beispielsweise haben 41 Prozent Angst davor, die Schmerzen der Frau hilflos mit ansehen zu müssen und 35 Prozent vor unvorhergesehenen Komplikationen. Relativ selten sind hingegen Befürchtungen, die Entbindungssituation selbst nicht durchstehen zu können.

Wie sehr haben Sie Angst... gar nicht etwas stark sehr stark
Angst um Fraun und Kind        
vor Missbildungen des Kindes 11 51 21 17
dass das Kind bei der Entbindung zu Schaden kommt 15 53 20 12
vor ärztlichen Kunstfehlern 21 58 12 10
dass die Frau die Entbindung nicht durchsteht 47 31 14 8
dass die Frau bei der Entbindung sterben könnte 50 26 10 4
vor Kontrollverlust        
die Schmerzen der Frau hilflos mit Ansehen zu können 15 43 32 9
der Frau nicht richtig beistehen zu können 20 58 18 3
die Klinik nicht rechtzeitig zu erreichen 44 48 6 2
Angst, die Situation selbst nicht durchzustehen        
vor dem Anblick von viel Blut 53 33 7 7
vor medizinischen Geräten wie Spritzen und Skalpellen 58 30 8 5
selbst nicht durchzuhalten 69 23 6 2
dass mir schlecht wird 65 27 5 3
selbst in Ohnmacht zu fallen 79 15 2 3

 

Die Ängste der werdenden Väter sind zu einem gewissen Grad begründet und realistisch. Dies wird deutlich, wenn man den Zusammenhang zwischen ihren Ängsten und den Angaben der Frau zu gesundheitlichen Problemen während der Schwangerschaft betrachtet: Je schwieriger die Schwangerschaft verlaufen ist und je mehr physische und psychische Beschwerden die Partnerin in dieser Zeit hatte, desto mehr Angst hat der Mann vor der anstehenden Entbindung. Die Ängste der Männer spiegeln aber auch das Selbstvertrauen der werdenden Eltern wider: Je mehr sich der Mann den Anforderungen der Vaterrolle gewachsen fühlt und je mehr Vertrauen er in die Fähigkeiten seiner Partnerin als Mutter hat, desto gelassener blickt er auch der Entbindungssituation entgegen. Väter, die Zweifel an den eigenen Kompetenzen für den Umgang mit einem Kind haben und auch wenig Vertrauen in die diesbezüglichen Fähigkeiten ihrer Partnerin äußern, haben mehr Angst vor der anstehenden Entbindung. Die Ängste der werdenden Väter spiegeln schließlich auch ihre Haltung gegenüber ihrer Partnerin wider. Sie äußern um so mehr Sorgen, je glücklicher sie in ihrer Partnerschaft sind. Die starke Verbundenheit mit der Partnerin führt offenbar zu sehr hoher Anteilnahme und hoher Besorgnis angesichts der bevorstehenden Geburt (Fthenakis et al., 2002).


Unterstützung der werdenden Mutter


Liebe Väter, bis jetzt wurde fast nur über Ihr Baby und die Mutter geschrieben. Als werdende Väter bleiben Sie meistens außen vor. Sie bekommen keinen dicken Bauch, leiden nicht unter Hormonveränderungen und Stimmungsschwankungen, und müssen auch nicht die körperlichen Strapazen einer Geburt durchleben.

Dennoch wird viel zu wenig Rücksicht auf die werdenden Väter genommen. Sie sollen nach der Geburt "einfach da" sein. Wie sie zu möglichst guten Vätern werden, ist zunächst nicht so wichtig. Vor allem beim ersten Kind sind die Veränderungen im Alltag extrem einschneidend. Man kann sich eigentlich nicht im Einzelnen darauf vorbereiten. Es gibt trotzdem Möglichkeiten, wie die Väter mit der Schwangerschaft ihrer Partnerin, der Geburt und vor allem mit der Zeit danach gut klarkommen.

Zuerst sollten werdende Väter sich informieren, wie eine Schwangerschaft überhaupt verläuft. Das wichtigste ist auf diesen Seiten nachzulesen.  Die Männer sollten wissen, was im Bauch der Partnerin vor sich geht. Sie wiederum sollte ihn mit einbeziehen, damit er das Gefühl kennen lernt, wenn das Kind die ersten spürbaren Bewegungen macht. Ist die Schwangerschaft schon weiter fortgeschritten, kann er die Bewegungen des Kindes schon richtig provozieren. Dadurch können die Väter in spe eine Beziehung zum Kind aufbauen. Für die Frau sollte es spürbar sein, ob er sie oder das Kind streichelt. Auch das müssen sich die werdenden Väter bewusst machen. Eine schwangere Frau braucht viel Liebe und Zärtlichkeit.  Vieles wurde bereits im Kapitel Haptonomie besprochen.

Unterstützung ist aber vor allem während der Geburt sehr wichtig. Eine kontinuierliche persönliche Unterstützung durch spezielle professionelle Helfer oder durch Familienangehörige und Personen aus dem Freundeskreis während der gesamten Geburt stellt eine der wichtigsten Maßnahmen dar.  Dies ergibt sich aus einem zum ersten Mal 1989 durchgeführten und 2003 aktualisierten Cochrane - Review über das hierzu vorliegende bestmögliche Wissen in Untersuchungen bei 13.000 Frauen in 15 Studien mit höchstem Evidenzlevel in 11 Ländern. In diesen Untersuchungen ging es um den Verlauf wie den Outcome von Geburten mit und ohne diese Art der Unterstützung. Danach hatten Frauen mit kontinuierlicher Unterstützung während der Geburt ein geringeres Risiko einer regionalen Blockade der Schmerzempfindung, irgendeiner Betäubungsmaßnahme sowie einer Saugglocken-, Zangen- oder Kaiserschnitt - Geburt. Seltener waren auch Berichte über Unzufriedenheiten oder eine negative Bewertung der Geburtserfahrung. Eine spontane Geburt funktionierte bei den so unterstützten Frauen eher und besser als bei Frauen ohne kontinuierliche Unterstützung.

In Zahlen ausgedrückt sah dies so aus: Die Wahrscheinlichkeit einer Kaiserschnitt - Entbindung sank um 26 Prozent, die einer Saugglocken- oder Zangengeburt um 41 Prozent, der Einsatz von Schmerzmedikamenten um 28 Prozent und das Auftreten von Unzufriedenheit und nachträglicher negativer Bewertung der Entbindung um 33 Prozent.


Dabei sein ist alles?

In früheren Zeiten hatten die Väter mit der Geburt im Prinzip nichts zu tun. Die Mutter entband in Anwesenheit einer Hebamme und / oder eines Arztes. Eventuell war noch eine weibliche Verwandte beispielsweise die Mutter dabei.

Erst seit den 1970er Jahren sind die Männer bei Geburten im Kreissaal toleriert. Hieraus entwickelte sich mit der Zeit sogar ein gesellschaftlicher Zwang für den Vater bei der Geburt dabei zu sein. Auf „Fernbleiben“ wird häufig mit Unverständniss in Familie und Freundeskreis reagiert. Auch den Krankenhäusern kam diese Entwicklung gelegen, denn es wurde permanent auch im Kreissaal Personal abgebaut, so dass die Hebammen meistens nicht in der Lage sind eine kontinuierliche und intensive Betreuung zu leisten. Eine vertraute Begleitperson ist für die werdende Mutter somit sehr wichtig. Aber muss dies der Vater sein? Die Antwort ist einfach: Nein! Die Praxis zeigt eindeutig, dass viele Männer mit der Situation während der Entbindung schlechtweg emotional überfordert sind. Wir wollen nicht so weit gehen wie der renommierte franz. Geburtshelfer Michel Odent, der Männer als Risiko im Kreißsaal bezeichnet. Das Paar sollte sich aber sehr gut überlegen, ob nicht vielleicht eine Freundin oder eine Familienangehörige die sinnvollere Begleitung ist. Auch gibt es professionell ausgebildete Geburtsbegleiterinnen (Doulas).

Erwähnt werden muss auch, dass zahlreiche Studien belegen, dass das Geburtserlebnis für den Mann traumatisierend sein kann. Die Betonung liegt hierbei auf dem Wörtchen „kann“, denn viele Männer erleben diesen Moment auch als wichtige und die Beziehung stärkende Erfahrung. Das Paar sollte sich also im Vorfeld Gedanken machen was für sie der richtige Weg ist. Der Vater sollte nicht per se „gezwungen“ werden bei der Geburt dabei zu sein.

Vorbereitungskurse

Viele werdende Väter belächeln die Kurse zur Geburtsvorbereitung. Das ist schade und liegt wahrscheinlich an einer mangelnden Information über den Inhalt der Kurse und die Bedeutung ihrer Anwesenheit. Die gemeinsame Vorbereitung auf die Geburt vermittelt der Schwangeren auch die Gewissheit, dass Sie für sie da sind und sie nicht allein lassen. Schließlich lernen sie andere Paare in der gleichen Situation kennen.

Auf diesen Seiten erhalten Sie viele nützliche Informationen darüber, was während einer Geburt auf Sie als Paar zukommt: Wie ist der normale Ablauf einer Geburt, welche Verhaltensweisen auf Seiten der Frau sind sinnvoll und unterstützen den natürlichen Ablauf einer Geburt? Sie erlernen als Partner, wie Sie ihre Frau in dieser Zeit unterstützen können und gemeinsam diese anstrengenden Stunden meistern können. Dafür werden Ihnen u.a. ganz praktische Hilfen gezeigt, wie Massagetechniken, die Ihrer Frau die Wehen erleichtern können. Aber auch wie Sie ihre Frau mental unterstützen können ist ein sehr wichtiger Aspekt. Wenn Sie wissen, was Sie bei der Geburt erwartet, können Sie besser mit der Situation umgehen. Bedenken Sie die vorgestellte Studie und nutzen Sie die Chance auch sich selbst gut auf die Ankunft des Kindes einzustellen.

In den Vorbereitungskursen werden auch entlastende Gymnastik und Möglichkeiten der Entspannung vorgestellt und erklärt. Die Beschäftigung mit der bevorstehenden Geburt fördert das Bewusstsein, dass die Tage der Zweisamkeit gezählt sind. So wird das Miteinander in der beschwerlichen Zeit gegen Ende der Schwangerschaft vielleicht inniger und entspannter.

Sie erfahren aber nicht nur wie eine Geburt abläuft, sondern auch, was Sie im  Wochenbett erwartet, wie das Stillen in gang kommt  sowie viel Nützliches, wie Sie Ihre Frau in der Zeit unterstützen können. Wer gut Bescheid weiß, kann besser mit den Veränderungen umgehen. Unterstützen und motivieren Sie Ihre Partnerin!


Was ist bei der Geburt mitzunehmen?

Auch für werdende Väter ist der Tag der Entbindung anstrengend. Ist man dabei, sollte man auf folgendes achten:

  • Nicht zu warme, eher bequeme Kleidung (im Kreißsaal/Geburtshaus  ist es warm)
  • Getränke oder die Möglichkeit, Getränke zu kaufen (Kleingeld)
  • Etwas zu essen, Energielieferanten
  • Kamera und Filme, wenn gewünscht
  • Handys sollten ausgeschaltet werden. "Gespräche von außen" stören die Entbindung, zumal die Geräte in der Entbindungsabteilung verboten sind.


Worauf sollten die Väter nach der Entbindung achten?

Frisch gebackene Väter sollten nach der Geburt auf die Interessen ihrer Partnerin achten. Wenn möglich, nehmen sie zwei bis drei Wochen Urlaub. So können Sie die erste Zeit mit dem Baby gemeinsam erleben und meistern. Häufig wollen die Mütter in den ersten Tagen nur ausruhen und sich auf das Kind konzentrieren. Sie sind mit den zahllosen Besuchen überfordert, trauen sich aber nicht, dies zu sagen. Hier können Sie gut den Kontakt mit dem sozialen Umfeld übernehmen und Besuche nur nach Absprache mit ihrer Partnerin verabreden.

Etwa ab dem dritten Tag kommen die so genannte "Heultage". Hier können die Männer meist auch nicht viel ausrichten. Die Ursache dafür ist die Hormonumstellung im weiblichen Körper, verbunden mit der Erschöpfung von der Geburt, die durch Schlafmangel verstärkt wird. Als Mann sollten sie einfach da sein, manchmal reicht das "in den Arm nehmen" und hilft mehr als tausend Worte.

Männer sollten sich von Anfang an in die Mutter - Kind - Beziehung einklinken, bzw. ihre eigene Beziehung zum Kind aufbauen.  Sie können Aufgaben übernehmen: Das Kind baden, wickeln oder mit ihm spazieren fahren, nicht nur damit die Partnerin einmal eine Stunde ohne "offenes Ohr" schlafen kann. Es ist auch gut für die Partnerschaft und ihr Verhältnis zum Kind. Spielt sich das Zusammenleben so ein, kommt es nicht zu einem ausgeprägten Ungleichgewicht, was die Kinderfürsorge angeht. Partnerschaftskonflikte lassen sich vielleicht vermeiden. Männer sollten einen eigenen Weg im Umgang mit dem Kind finden, den die Partnerin auch akzeptieren sollte. Jeder Elternteil findet seinen persönlichen Zugang. Ob er richtig ist, lässt sich unter anderem an der Zufriedenheit des Kindes ermessen.


Ein Wort zum Sex

In punkto Sex besteht bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft keine Einschränkung. Bei einigen Frauen ist das Lustgefühl während der Schwangerschaft sogar gesteigert. Wird der Bauch dicker, kann es unter Umständen beschwerlicher werden. Durch die Änderung der Stellungen lässt sich trotzdem Geschlechtsverkehr praktizieren. Bestehen ärztliche Einwände gegen den Verkehr, kann man durchaus auf andere Praktiken ausweichen, die zur Befriedigung und Erfüllung der sexuellen Lust führen können. Allerdings sollten die Wünsche der Frau in dieser Zeit in den Vordergrund treten. Bestehen Uneinigkeiten, sollten die Partner miteinander darüber sprechen.

Wenn der Wochenfluss etwa nach sechs Wochen aufhört und eventuelle Risse oder Schnitte verheilt sind, ist es theoretisch möglich wieder Geschlechtsverkehr zu haben. Oft verspüren Frauen jedoch keine große Lust darauf. Das liegt zum einen an der Belastung durch die Mutterschaft. Die neuen Mütter sind schlichtweg müde, erschöpft und kaputt. Dazu kann die Angst vor Schmerzen oder einer erneuten Schwangerschaft kommen.

Manchmal wünschen sie die Frauen einfach nur Zärtlichkeit, Wärme, Geborgenheit - und keinen Sex. Für Männer ist dies meist schwer zu verstehen. Gerade stillende Frauen sind auf der Gefühlsebene oft erschöpft, denn sie geben dem Kind ständig Nahrung, Wärme und Geborgenheit. Es ist wichtig, die "Speicher" wieder aufzufüllen.

Der Körper der Frau ist nach der Entbindung verändert und die Figur stellt sich nicht sofort um. Es braucht Zeit, bis sich die Veränderungen aus den vergangenen neun Monaten wieder zurückbilden. Die Scheide kann durch Schwangerschaft und Geburt verändert sein, sie ist vorrübergehend weiter und weniger unter Spannung. Durch Beckenbodengymnastik lässt sich das wieder ausgleichen. Außerdem vermindert sich dadurch die Gefahr, dass sie später unwillkürlich Urin verliert.

Vater sein ist schwer. Auch Männer sollten sich ihren Bedürfnissen bewusst werden und sie äußern. Kinder bedeuten einen ständigen Kompromiss mit dem eigenen Egoismus - das betrifft Väter und Mütter.

 

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